Evaluation Stotterintensivtherapie

 

Wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit
der Intensiven Stottermodifikationstherapie in Gruppen für Jugendliche und Erwachsene

 

Die Wochenend-Intensiv-Therapie für stotternde Jugendliche und Erwachsene wurde in dieser Praxis seit 2004 bereits 15 Mal durchgeführt.  Therapieziele dieser Behandlung sind eine erhöhte Sprechflüssigkeit und eine deutlich reduzierte Belastung durch das Stottern. Seit 2011 erfolgt auch eine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit dieser Therapiemaßnahme mit dem Ziel, die persönlich wahrgenommenen Erfolge objektiv mit Daten zu belegen und die Effektivität der Therapie weiter zu optimieren.

Maßnahmen

Mitarbeiter, die nicht an der Therapie beteiligt waren, erhoben für bislang zwei Therapiegruppen (WE13 und WE14) die Daten. Zu diesen Daten gehören ein Interview und ein Telefongespräch mit jedem
Teilnehmer sowie das Vorlesen eines Textes. Die Gespräche wurden absichtlich sowohl innerhalb als auch außerhalb (Telefonat) der Therapieeinrichtung geführt, um ein möglichst realitätsnahes Bild der – häufig schwankenden – Stottersymptomatik zu erhalten. Diese Gespräche wurden aufgezeichnet und anschließend auf die Häufigkeit von Stottersymptomen, Anwesenheit von Anstrengungsverhalten (z.B. in Form von mimischen oder ganzkörperlichen Mitbewegungen ), die Sprechnatürlichkeit und eventuelle Anwendung von Sprechtechniken hin ausgewertet. Da Stottern nicht ausschließlich aus äußerlich wahrnehmbaren Symptomen besteht, wurden die Teilnehmer auch gebeten, unterschiedliche Fragebögen zur Lebensqualität, zum Vermeideverhalten und zur Einstellung zur Kommunikation auszufüllen.
Bislang liegen die genannten Daten für 2 Messzeitpunkte vor: zu Beginn der Therapie und direkt nach Ende der Intensivphase. Zurzeit werden weitere Daten (3 Jahre nach Therapieende) ausgewertet, um auch den langfristigen Erfolg dieser Therapie zu überprüfen.

Ergebnisse

Die bisherigen Auswertungen zeigen äußerst zufriedenstellende Ergebnisse, die hier in Auszügen genannt werden. Genauere Informationen können bei Bettina Dölle erfragt werden.Die Sprechflüssigkeit nahm im Durchschnitt bei allen 17 Therapieabsolventen signifikant, d.h. statistisch bedeutsam, zu (Abbildung 1). Dabei wurde die Anzahl an Stotterereignissen in den 3 Sprechproben gezählt und in Bezug zur Gesamtzahl flüssig gesprochener Silben gesetzt (= Prozentzahl gestotterter Silben). Wie die Abbildung 1 zeigt, lag die Stotterhäufigkeit beim Telefoninterview, der schwierigsten Sprechsituation, vor der Therapie bei ca. 9% und nach der Therapie nur noch bei 3%.

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Abbildung 1: Stotterhäufigkeit (in Prozent gestotterter Silben) vor und nach der Therapie


Einhergehend mit dieser Abnahme an Stottersymptomen konnte bei allen Therapieabsolventen das Anstrengungsverhalten (fast) vollständig abgebaut werden. Die Natürlichkeit des Sprechens wurde gewahrt bzw. teilweise verbessert.

Ähnliche Erfolge zeigen sich bei den nicht sichtbaren Stottersymptomen. Als wesentlicher Therapieerfolg nahm bei den Teilnehmern die psycho-soziale Belastung durch das Stottern signifikant ab. Während die psycho-soziale Belastung vor Therapiebeginn im Durchschnitt mittelschwer bis schwer war, lag sie bei Therapieende nur noch bei einer durchschnittlich milden psycho-sozialen Belastung.

Auch die Einstellung zur Kommunikation verbesserte sich statistisch bedeutsam (Abbildung 2). Vor der Therapie erzielten die Teilnehmer im Durchschnitt einen Wert von 15 (Maximalpunktzahl: 24), wohingegen nach der Therapie im Mittel 8 Punkte erzielt wurden. Ein niedrigerer Punktwert entspricht dabei einer positiveren Einstellung zu Kommunikation.

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Abbildung 2: Einstellung zur Kommunikation vor und nach der Therapie, gemessen mit dem S-24 (Erickson, 1969; Andrews & Cutler 1974)


Das sprachliche und situationsbezogene Vermeideverhalten nahm im Durchschnitt ebenfalls signifikant ab. Während vor der Behandlung im Mittel 8 von 18 möglichen Punkten erzielt wurden, waren dies nach Abschluss der Therapie nur noch 3 Punkte (Abbildung 3).

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Abbildung 3: Vermeideverhalten vor und nach der Therapie, gemessen mit der Vermeidungsskala des PSI (Woolf, 1967)

Fazit

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die gestellten Therapieziele einer erhöhten Sprechflüssigkeit und einer deutlich reduzierten Belastung durch das Stottern erreicht werden. Die Evaluation der Wochenendtherapie unterliegt einer ständigen Überprüfung und Entwicklung. Sie wird weiter fortgesetzt, um auch Aussagen über langfristige Effekte der Therapie treffen zu können.

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